Beweg' Dich oder Du wirst krank!

Kaum ein Bundesbürger weiß die richtige Antwort, wenn um das gewichtsmäßig größte Organ unseres Körpers geht. Schlimm genug, beweist es doch, wie weit wir uns schon von unseren natürlichen Wurzeln entfernt haben. "Mein Körper und ich - 2 flüchtige Bekannte", als weit verbreitetes Lebensmotto. Nun, die Frage galt unserer Skelettmuskulatur, die beim Mann bis zu 45 Prozent und bei der Frau bis zu 35 Prozent des Körpergewichts ausmacht. Dies gilt zumindest bis ca. zum 30. Lebensjahr. Danach geht's bei den Inaktiven mit deren Muskelmasse unweigerlich bergab, die dann jährlich um ca. 1 Prozent schrumpft. Die Natur schlägt zurück gemäß ihrem uralten Funktionsprinzip: Was nicht gebraucht wird, bildet sich zurück oder geht zugrunde.

Zunächst mag es überraschen, weshalb wir Menschen des 21. Jahrhunderts immer noch so muskelzentriert konzipiert sind, wo doch Otto Normalverbraucher in den Industrieländern pro Tag und auf eigenen Füßen gerade einmal noch 500 bis 700 Meter zurücklegt. Des Rätsels Lösung: Die Evolution der Menschheitsgeschichte funktioniert in Zeiträumen von Jahrtausenden bis Jahrmillionen. Dem gegenüber ist die menschliche Lebensspanne einfach zu vernachlässigen. Entsprechend ticken unsere Gene nach wie vor auf Steinzeit-Niveau, da die menschlichen Erbanlagen in den letzten 40.000 Jahren quasi unverändert blieben. Soweit die neuesten Genanalysen international renommierter Evolutionsbiologen, Radiologen und Paläontologen. Entsprechend befinden sich PC-Freaks in den Weltmetropolen genauso wie die Indianer im brasilianischen Urwald genetisch auf Früh-Steinzeitniveau. Unsere große Muskelmasse ist also ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten, in denen wir ca. 80 Prozent des bewusst erlebten Tages zur Nahrungssuche aufwenden mussten. Sie wartet auf die tägliche Portion Betätigung, um so für den Gesamtorganismus segensreich und gesunderhaltend agieren zu können.

Die zentrale Gesundheitsbotschaft für das 21. Jahrhundert muss daher lauten: Nur aus der Beanspruchung möglichst großer Anteile unserer Skelettmuskulatur mit unterschiedlicher Intensität können sich überlebensnotwendige Anpassungsvorgänge für alle Organe und Abläufe des Gesamtorganismus mit seinen 65 Billionen Zellen entwickeln. Diese Abfolge von Aktion und Reaktion hat das Überleben der Gattung Mensch über viele hunderttausend Jahre ermöglicht und gesichert. Diesen Automatismus gilt es auch heutzutage zu bedienen, da Gesundheit und Lebensqualität ohne Bewegung genetisch nicht verankert sind.

 

Wie aber erklärt sich jetzt die bekanntlich deutlich kürzere Lebenserwartung früherer Generationen bis weit ins 19. Jahrhundert hinein? Ganz einfach, es war einmal das Fehlen von effektiven Hygiene-Standards, was u.a. die hohe Säuglingssterblichkeit bedingte. Zudem verfügen wir erst seit Mitte des 20. Jahrhunderts über hoch wirksame Medikamente (Antibiotika etc.), professionelle Operationsverfahren und hochdifferenzierte Anästhesie-Techniken, die das Überleben auch bei schweren Erkrankungen und Verletzungen sichern. Allerdings kennt die moderne Medizin nach wie vor kein wirklich ursächlich greifendes Prinzip zur Verhütung der Vielzahl von Zivilisationskrankheiten. Sich als Wohlstandsbürger genüsslich zurückzulehnen, wäre daher das falsche Rezept. Gilt doch nach wie vor das uralte biologische Gesetz: "Wer rastet, der rostet!" Also ermöglicht erst die tägliche mindestens einstündige körperliche Betätigung von möglichst großen Muskelketten langes Leben in Gesundheit und mit hoher Lebensqualität. Alle lebenswichtigen Organe und Funktionssysteme wie Gehirn, Herz-Kreislauf-System, Lunge, Stoffwechsel, Zellschutz-Systeme, Infektabwehr, Krebsschutz und Gelenks-Strukturen profitieren von dieser regelmäßigen Muskelarbeit (z.B. flotter Spaziergang, Nordic Walking, Radfahren, Inlining, Ski-Langlauf etc.). Das ist der effektive "Jungbrunnen von innen heraus" und die emotionalisierende Nahrung für Körper, Geist und Seele.

Also, worauf warten Sie noch?